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Die Dialektisch-Behaviorale Therapie der komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (DBT-PTSD)


Die Behandlung von Patienten und Patientinnen mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) nach interpersoneller Gewalt in der Kindheit stellt die Behandler häufig vor besondere Herausforderungen. Neben selbstschädigenden Verhaltensweisen, hoher Dissoziationsneigung und Substanzkonsum weisen die Betroffenen meist zusätzlich ein geringes Selbstwertgefühl und Schwierigkeiten im interpersonellen Bereich auf.  Im ICD-11 wurde zur Beschreibung dieser komplexen Symptomatik die neue Diagnose der Komplexen PTBS eingeführt. Die Datenlage zur Behandlung der Komplexen PTBS ist gering. Die Patienten und Patientinnen werden häufig als nicht stabil genug für eine traumafokussierende Therapie eingeschätzt und bekommen oft lange ausschließlich Strategien zur Distanzierung und Ablenkung von den belastenden Erinnerungen vermittelt. 

Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim wurde mit der Dialektisch-Behavioralen Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung (DBT-PTBS) eine traumafokussierende modulare Psychotherapie für die Betroffenen entwickelt.  DBT-PTBS versucht den Patienten und Patientinnen zu helfen a) die sekundären Emotionen wie Schuld und Scham zu reduzieren, b) die Angst vor und die Belastung durch primäre traumassoziierte Emotionen zu reduzieren, und c) die traumatischen Ereignisse zu akzeptieren und ein sinnerfülltes Leben aufzubauen. Eine unkontrollierte und eine randomisiert-kontrollierte Studie konnten eine hohe Akzeptanz, Sicherheit und Effektivität der DBT-PTBS im stationären Behandlungsrahmen belegen.  Im Rahmen einer multizentrischen Studie fand nun eine Evaluation der DBT-PTBS im Vergleich zu dem state-of-the art Verfahren Cognitive Processing Therapy im ambulanten Setting statt. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass traumafokussierende Therapie bei Patienten und Patientinnen mit komplexer PTBS sicher und effektiv im ambulanten Behandlungsrahmen durchgeführt werden kann. Die DBT-PTBS erwies sich bezüglich der Therapieeffekte sowie der Response- und Remissionsraten der Cognitive Processing Therapy überlegen.
Im Vortrag werden die Prinzipien und die Behandlungsphasen der DBT-PTBS sowie die empirischen Befunde im Überblick dargestellt.
 
Literatur: 
· Bohus, M. & Priebe, K. (2019). Dialektisch-behaviorale Therapie für komplexe PTBS . In A.
Maercker (Hrsg.), Traumafolgestörungen (S. 331-348). Heidelberg: Springer.
· Bohus, M., Kleindienst, N., Hahn, C., Müller-Engelmann, M., Ludäscher, P., Steil, R., ... & Priebe, K. (2020). Dialectical behavior therapy for posttraumatic stress disorder (DBT-PTSD) compared with cognitive processing therapy (CPT) in complex presentations of PTSD in women survivors of childhood abuse: a randomized clinical trial. JAMA Psychiatry.
· Steil, R., Dittmann, C., Müller-Engelmann, M., Dyer, A., Maasch, A. M., & Priebe, K. (2018). Dialectical behaviour therapy for posttraumatic stress disorder related to childhood sexual abuse: a pilot study in an outpatient treatment setting. European Journal of Psychotraumatology, 9(1), 1423832.
· Bohus, M., Dyer, A. S., Priebe, K., Krüger, A., Kleindienst, N., Schmahl, C., ... & Steil, R. (2013). Dialectical behaviour therapy for post-traumatic stress disorder after childhood sexual abuse in patients with and without borderline personality disorder: a randomised controlled trial. Psychotherapy and Psychosomatics, 82(4), 221-233.


Veranstaltungstag

Sonntag, 08. Mai 2022

Dozentin

Kathlen Priebe

Kathlen Priebe hat an der Humboldt-Universität zu Berlin Psychologie studiert. Im Anschluss absolvierte sie die Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) und später zur Supervisorin an der Universität Heidelberg. Sie hat die Zusatzqualifikation in Spezieller Psychotraumatologie (DeGPT) und ist als Supervisorin und Dozentin tätig. In ihrer klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim fokussierte sie auf die Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung und der Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung.  Sie ist Mitentwicklerin der Dialektisch-Behavioralen Therapie der Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (DBT-PTBS) und evaluierte diese im Rahmen ihrer Promotion zunächst im stationären und später im ambulanten Behandlungsrahmen. Nach dem Aufbau und der Leitung einer Traumaambulanz an der Humboldt-Universität  hat sie 2018 die traumatherapeutische Leitung in der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus übernommen. Seit 2020 ist sie dort als leitende Psychologin tätig.




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