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Wie Neurobiologie und Psychotherapie voneinander lernen


Bei Trauma-assoziierten Störungen wie der komplexen PTBS und der Borderline-Störung lassen sich mehrere Symptombereiche charakterisieren, deren zugrundeliegende Mechanismen einer neurobiologischen Charakterisierung zugänglich sind. Hierzu zählen u.a. die Emotionale Dysregulation, Dissoziation und nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten sowie Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion. Die neurobiologische Forschung, insbesondere die funktionelle Bildgebung, hat hier wesentlich zur Aufklärung dieser Pathomechanismen und zur Weiterentwicklung spezifischer, auf dem besseren Verständnis dieser Mechanismen basierender Interventionen beigetragen. Außerdem lassen sich neurobiologische Untersuchungsmethoden wie die funktionelle Bildgebung einsetzen, um Therapieergebnisse auf einer zusätzlichen Ebene zu überprüfen. Dabei zeigten sich z.B. nach erfolgreicher DBT-Behandlung einerseits ein Rückgang von auffälligen Aktivierungsmustern, z.B. im Bereich der Amygdala, andererseits auch eine Veränderung im Volumen bestimmter, mit der Emotionsregulation assoziierter Hirnregionen. Andererseits können  moderne Verfahren wie die Echtzeit-fMRT eingesetzt werden um mittels Neurofeedback z.B. die Emotionsregulation zu trainieren. Dabei zeigen erste Studien sowohl bei der Borderline-Störung als auch bei der PTBS nicht nur eine Abnahme der Amygdala-Hyperaktivität, sondern auch einen Transfer in verbesserte Emotionsregulation im Alltag der Betroffenen.


Veranstaltungstag

Samstag, 04. Mai 2019

Dozent

Christian Schmahl

Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim und Professor für Experimentelle Psychopathologie. Außerdem ist er Sprecher der Klinischen Forschergruppe 256 „Mechanismen der gestörten Emotionsregulation bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung“ sowie des Graduiertenkollegs 2350 „Einfluss aversiver Kindheitserfahrungen auf psychosoziale und somatische Probleme über die Lebensspanne“. Seine Forschung fokussiert auf die Aufklärung von Mechanismen der Emotionsregulation, des selbstverletzenden Verhaltens und der Dissoziation sowie die Interaktion von Neurobiologie und Psychotherapie bei Stress-assoziierten Erkrankungen. Er studierte Medizin in Mainz und Gießen und absolvierte die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsklinik Freiburg und die Ausbildung zum Facharzt für Psychotherapeutische Medizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. Seine wissenschaftlichen Publikationen umfassen mehr als 200 Zeitschriftenartikel und Buchkapitel sowie zwei Bücher.



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